Rekrutiert, angekommen, abgewandert – warum der Job allein nicht reicht

by Stella Milo

Über 7 Millionen zugewanderte Personen haben Deutschland zwischen 2015 und 2022 wieder verlassen. Was das für Unternehmen bedeutet, die in internationale Fachkräfte investiert haben – und was wirklich dagegen hilft.

Der stille Verlust – eine unterschätzte Zahl 

Monatelange Suche, ein aufwändiger Recruiting-Prozess, sorgfältige Einarbeitung – und zwei Jahre später ist die internationale Fachkraft wieder weg. Was sich wie ein Einzelfall anhört, ist in Deutschland strukturell. Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sind zwischen 2015 und 2022 insgesamt über 7 Millionen zugewanderte Personen wieder aus Deutschland abgewandert – bei rund 12,5 Millionen Zuzügen im gleichen Zeitraum. Die meisten von ihnen innerhalb von vier Jahren – und sie sind überwiegend jung und im erwerbsfähigen Alter.

Für Unternehmen hat das einen konkreten Preis. Fluktuationskosten setzen sich aus Austritts-, Such-, Auswahl- und Einarbeitungskosten zusammen – und summieren sich schnell auf einen erheblichen Betrag pro Fall. Bei internationalen Fachkräften kommen zusätzliche Kosten hinzu: Visa-Verfahren, Anerkennungsprozesse, Relocation-Unterstützung, Sprachkurse – alles Investitionen, die sich erst über Zeit amortisieren.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur: Wie gewinne ich internationale Fachkräfte? Sondern: Was hält sie wirklich?

Warum kommen sie – und warum gehen sie wieder? 

Die Gründe für Zuwanderung sind meist klar: ein Jobangebot, eine berufliche Perspektive, der Wunsch nach Weiterentwicklung. Laut der FES-Studie „Willkommen zurück?“ (2025) kamen rund 60 Prozent der befragten Abgewanderten ursprünglich wegen eines konkreten Jobangebots oder eines Studiums nach Deutschland. Der Job war der Anlass – aber er war nicht genug.

Denn die Gründe für Abwanderung sind andere. Laut der FES-Studie “Auf Wiedersehen?” (2024) zählt mangelnde soziale Integration zu den wichtigsten Abwanderungsgründen – noch vor beruflichen Motiven. Die Folgestudie liefert dazu konkrete Zahlen: 38 Prozent der befragten Abgewanderten nannten das Gefühl, sich nicht wohlzufühlen oder nicht zugehörig zu sein, als Grund für ihre Abwanderung – 31 Prozent die Unzufriedenheit mit ihrem Sozialleben in Deutschland. Soziale Netzwerke und ein Gefühl von Zugehörigkeit sind dabei keine netten Zusätze, sondern entscheidende Faktoren dafür, ob jemand bleibt oder geht. 

Für Unternehmen bedeutet das eine unbequeme Wahrheit. Onboarding, fachliche Einarbeitung, vielleicht noch ein Sprachkurs – und dann? Viele Unternehmen investieren in die Ankunft im Job, aber nicht in das Ankommen im Leben. Dabei ist genau das der entscheidende Hebel. Soziale Integration gelingt aber nicht von allein – sie braucht Orientierung, ein Verständnis für das neue Umfeld und Zeit, um wirklich anzukommen.

Was Unternehmen tun können – und warum es sich lohnt

Die gute Nachricht: Das Problem ist lösbar. Die Studie „Willkommen zurück?“ (2025) zeigt, dass Abgewanderte in ihren neuen Zielländern nicht zwingend mehr Gehalt oder bessere Karrierechancen vorfanden – sondern vor allem eines: das Gefühl, gesehen und willkommen zu sein. Konkret bedeutet das Unterstützung, die über das Ankommen im Job hinausgeht.

Denn der Arbeitsplatz ist oft der erste und wichtigste Ort, an dem internationale Fachkräfte in Deutschland Fuß fassen. Wer kulturelle Unterschiede versteht, sich in der neuen Umgebung orientieren kann und lernt, die eigene transkulturelle Identität zu gestalten, bleibt nicht nur länger – er oder sie bringt sich auch stärker ein. Unternehmen, die diesen Prozess aktiv begleiten, profitieren doppelt: durch niedrigere Fluktuation und eine stärkere Arbeitgebermarke unter internationalen Fachkräften.

Genau hier setzt das Begleitprogramm Kultur im Dialog an. In einer sechsmonatigen 1:1-Begleitung werden internationale Fachkräfte dabei unterstützt, kulturelle Unterschiede einzuordnen, Kommunikationsstile zu verstehen und eine stimmige transkulturelle Identität zu entwickeln – für mehr Sicherheit, Orientierung und Zugehörigkeit. Hier mehr erfahren.

Fazit: Integration ist Investitionsschutz

Internationale Fachkräfte zu gewinnen ist aufwändig, teuer und zeitintensiv. Sie zu halten ist es nicht – wenn die richtigen Weichen gestellt werden. Die Forschung zeigt klar: Wer geht, geht selten wegen des Jobs. Wer bleibt, bleibt wegen der Menschen, des Zugehörigkeitsgefühls und der Möglichkeit, wirklich anzukommen. Das ist keine weiche Fürsorge – das ist harte Betriebswirtschaft.

Unternehmen, die in das Ankommen ihrer internationalen Fachkräfte investieren, schützen damit auch ihre Investition in Recruiting, Einarbeitung und Entwicklung. Und sie senden ein Signal: Hier wird nicht nur eine Stelle besetzt – hier wird ein Mensch willkommen geheißen.

Wenn Sie wissen möchten, wie das konkret aussehen kann, freue ich mich auf ein unverbindliches Informationsgespräch. Hier Termin vereinbaren.

Quellen: 

Loschert, F. & Komitowski, D. (2024). Auf Wiedersehen? Analyse der Daten- und Forschungslage zu Ab- und Rückwanderungsprozessen von Zugewanderten aus/nach Deutschland. Friedrich-Ebert-Stiftung.

Loschert, F., Leisenheimer, M. & Komitowski, D. (2025). Willkommen zurück? Abwanderungsgründe und Rückwanderungspotenziale von aus Deutschland abgewanderten EU- und Drittstaatsangehörigen. Friedrich-Ebert-Stiftung.

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Profilbild von Coach und Beraterin Stella Milo im Grünen.

Wer schreibt hier?

Hey, ich bin Stella Milo. Als Coach und Beraterin begleite ich internationale Fachkräfte beim Start in Deutschland – damit sie sich schnell einleben, ankommen und entfalten können.